Die Liberalisierung des Strommarktes und der hierdurch ausgelöste Wettbewerb stellen eine große Herausforderung für die Energieversorger dar. So hat der wirtschaftliche Druck im Markt bei den Energieversorgern zu einer fortwährenden Optimierung der Unternehmensstrategien geführt. Dabei wurden unter anderem die Geschäftsprozesse optimiert und der Automatisierungsgrad der Kraftwerke erhöht. Das Kraftwerkspersonal muss sich deshalb heute neuen, ungewohnten fachlichen und organisatorischen Anforderungen stellen. Der Fähigkeit, den gesamten Geschäfts- und technischen Kraftwerksprozess zu erfassen und insbesondere unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu optimieren, kommt eine große Bedeutung zu. Die operative Umsetzung dieser neuen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen erfolgt vor allem auf den Warten und Leitständen der Kraftwerke. So ist aus Sicht des Kraftwerksbetriebes mehr denn je die Stellung des Kraftwerksmeisters als die Schlüsselposition im Schichtdienst zu betrachten. In der Vergangenheit war der Kraftwerksmeister bereits für einen störungsfreien, anlagenschonenden, arbeitssicherheitsgerechten und umweltverträglichen Betrieb verantwortlich. Er brachte also seine technischen Fachkenntnisse und Kompetenzen ein; heute kommt ihm immer mehr die Aufgabe eines "Managers auf der Warte" zu, der die heutigen Anforderungen der Kraftwerke im Wettbewerb umsetzen, das zugeordnete Personal verantwortungsbewusst und zielgerichtet führen und hierbei interdisziplinäre Kenntnisse anwenden muss. Der Kraftwerksmeister muss sich dabei heute stets in einem Ordnungsrahmen bewegen, der durch die gültigen Gesetze, Rechtsverordnungen, autonomen Rechtsnormen und technischen Regeln gebildet wird.
Der VGB-Arbeitskreis "Ausbildung von Kraftwerkspersonal" trägt diesen gewachsenen Anforderungen an den Kraftwerksmeister Rechnung und erarbeitete im Rahmen einer Arbeitsgruppe, in enger Zusammenarbeit mit der KRAFTWERKSSCHULE E.V. und in Abstimmung mit der IHK zu Essen, einen neuen Rahmenstoffplan für die Fortbildung zum Kraftwerksmeister - Fachrichtung Produktion. Der hier vorliegende Rahmenstoffplan zeichnet sich folgerichtig durch neue zusätzliche Schwerpunkte aus. War die bisherige Fortbildung zum Kraftwerksmeister nahezu ausschließlich technisch geprägt, so ist es nun das Ziel, die Teilnehmer durch ein verbreitertes Qualifikationsspektrum mit neuen Kompetenzen für die betriebliche Praxis auszustatten. In seiner Strukturierung lehnt sich der vorliegende Rahmenstoffplan an die Rechtsverordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss "Geprüfter Industriemeister / Geprüfte Industriemeisterin - Fachrichtung Metall" an. In den Vorworten der einzelnen Prüfungsbereiche bzw. Qualifikationsschwerpunkte wird das jeweilige übergeordnete Teilqualifikationsziel erläutert. Eine strenge Gliederung teilt die dort beschriebenen Qualifikationsinhalte in "Qualifikationselemente" ein, die wiederum in die "Bestandteile der Qualifikationselemente" verfeinert werden. Den Bestandteilen der Qualifikationselemente sind Anwendungstaxonomien zugeordnet. Diese Anwendungstaxonomien legen fest, in welcher Tiefe sich der Teilnehmer diese "Bestandteile" aneignen muss, damit die angestrebte Qualifikation und damit das angestrebte Endverhalten des Kraftwerksmeisters erreicht werden. Die "Hinweise zur Vermittlung" geben Erläuterungen zu den zu vermittelnden Inhalten und stellen ein wichtiges Steuerungselement für die Führung der Dozenten im Sinne der Qualitätssicherung der Fortbildungsmaßnahme dar.
Die für die Erarbeitung dieses vorliegenden Rahmenstoffplans verantwortliche Arbeitsgruppe ist sich darüber bewusst, dass die Fortbildung zum Kraftwerksmeister einer kontinuierlichen Weiterentwicklung bedarf. Vor diesem Hintergrund ist das Gremium offen für Anregungen und Hinweise auf diesem Weg.
An der Erarbeitung des Rahmenstoffplans waren beteiligt: Johannes Dresenkamp, E.ON Kraftwerke GmbH, Gelsenkirchen Reinhard Endlein, ThyssenKrupp Stahl AG, Duisburg Bernd Hesselmann, Hamburgische Electricitäts-Werke AG, Hamburg Klaus-Peter Klose, Bewag, Berlin Siegfried Kroll, EnBW Kraftwerke AG, Stuttgart Norbert Preißner, Industrie- und Handelskammer zu Essen Hans-Werner Otte, KRAFTWERKSSCHULE E.V., Essen Wolfgang Sailer, EnBW Kraftwerke AG, Stuttgart Bernd Stoll, Stadtwerke Hannover AG, Hannover Mario Wolff, VATTENFALL EUROPE GENERATION AG & Co. KG, Cottbus Markus Bieder, RWE Power AG, Ludwigshafen Heinrich Nacke, KRAFTWERKSSCHULE E.V., Essen
Der VGB-Arbeitskreis "Ausbildung von Kraftwerkspersonal" und die KRAFTWERKSSCHULE E.V. danken allen beteiligten Sachverständigen für ihre engagierte ehrenamtliche Arbeit, ebenso den Unternehmen und Institutionen, die ihre Mitarbeiter dafür freigestellt haben.
Für Fragen zur neuen Kraftwerksmeisterausbildung steht Ihnen Herr Dipl.-Ing. Hans-Werner Otte jederzeit zur Verfügung.
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